12 Juli Zuversicht – wenn die Welt ins Wanken gerät
Jeden Tag das Gleiche: Ganz egal, ob ich das Radio anschalte, im Fernsehen die Nachrichten sehe oder mich durch die sozialen Medien scrolle, ich sehe und höre Leid. Der nicht enden wollende Krieg in der Ukraine. Der Krieg im Nahen Osten. Hungersnot im Sudan. Klimakrise, Waldbrände, und dazwischen noch tausend kleinere Hiobsbotschaften. Mein Herz für die Menschen in dieser Welt ist groß – vielleicht manchmal zu groß. Es fühlt sich schwer an, wie ein Rucksack voller Steine, den ich mir an manchen Tagen selbst auflade, ohne es zu merken.
Auch in meinem Arbeitsleben als Apothekerin erlebe ich Ähnliches. Viele Menschen fühlen sich einsam, andere sind unheilbar krank. Oft möchten sie nur ein kurzes Gespräch, etwas Zeit mit meinen Kolleginnen und mir haben.
Wie gehe ich damit um, ohne daran zu zerbrechen? Ich habe für mich ein paar Antworten gefunden. Keine fertigen Patentrezepte, aber Wege, die mich immer wieder zurück ins Gleichgewicht bringen.
Pia Hübinger ist Pädagogin, Coach und Trainerin für Achtsamkeit, Mitgefühl und achtsamkeitsbasierte Kommunikation. Mit ihrer aktuellen Blogparade Zuversicht in schwierigen Zeiten. Was mir hilft, wenn sie ins Wanken gerät hat sie mich zum Nachdenken angeregt.
Zuerst raus, runter, durchatmen
Mein erster Schritt ist fast immer derselbe: raus in die Natur. Mein Garten, den Wald vor meiner Tür, meine Kraftorte. Ich habe darüber schon einmal ausführlich geschrieben (Kraftquelle Natur – meine ganz eigene Geschichte). Sobald ich in meinem Garten stehe oder durch den nahegelegenen Wald gehe, lösen sich meine festhängenden Gedankenschleifen. Dazu kommen Meditation und Yoga als Weg, wieder bei mir selbst anzukommen und meine eigenen Bedürfnisse überhaupt erst wahrzunehmen. Ich schwinge mich auch gern auf mein Fahrrad und komme so in Bewegung, oder gehe bewusst mit meiner Kamera auf Fototour.
Allerdings reichen all diese Tätigkeiten allein nicht aus. Sicher, sie machen mich ruhiger, sie füllen mich auf. Zuversicht wird dann daraus, wenn ich danach auch handle.
Zuversicht ist kein Gefühl, sondern eine Entscheidung
Hier widerspreche ich der gängigen Vorstellung, die oft mit dem Wort Zuversicht mitschwingt: dass es reicht, positiv zu denken, sich die guten Dinge schönzureden und zu hoffen, dass es schon wird. Nur denken allein reicht mir nicht.
Ich bin überzeugt, jeder von uns trägt Verantwortung zuerst einmal für sich selbst. Und diese Selbstverantwortung ist immer vorhanden, nicht nur wenn gerade alles gut passt, sondern auch, wenn das Leben anstrengend oder schwierig ist und weniger gut läuft. Gerne klopfen wir uns bei den Dingen, die wunderbar laufen, selbst auf die Schulter. Sobald Probleme auftauchen, sind dann gerne andere an der Misere schuld. Beides ist bequem. Beides bringt uns nicht wirklich weiter.
Ein anderer Gedanke von mir ist, dass Niederlagen, Krisen oder Umbrüche etwas sind, woran ich wachsen kann. Vielleicht sind da Gewohnheitstendenzen in meinem Geist, die mich immer wieder gleich denken und handeln lassen, und ich somit auch stets ähnliche Ergebnisse bekomme. Ich stelle mir gern die Frage, was ich lernen soll.
Was ich wirklich in der Hand habe
Die Kriege der Welt, die Hungersnöte, das Weltklima, all das kann ich nicht im Alleingang lösen. Wenn ich dort ansetze, wo ich keinen Einfluss habe, fühle ich mich schnell ohnmächtig, ausgeliefert, frustriert und alleine gelassen.
Deshalb schaue ich mir bewusst an, was gerade gut läuft. Was tut mir gut? Was brauche ich wirklich? Wie kann ich auch anderen etwas Gutes tun? Aus diesen Antworten wächst immer wieder neue Freude am Leben – und aus dieser Freude wiederum die Kraft, dort zu handeln, wo ich tatsächlich etwas bewegen kann. In meinem Alltag, in meiner Apotheke, in meinem Garten, im Gespräch mit Menschen um mich herum.
Zuversicht beginnt mit einem Gedanken, geht weiter mit Worten und endet im Handeln. Erst wenn ich ins Tun komme, wird aus einem guten Gedanken etwas Tragfähiges. Allerdings kann ich von mir behaupten, dass ich ein sehr positiv denkender Mensch bin. Oft sage ich mir: Wer weiß, wofür das jetzt gut ist. Natürlich erkenne ich die Antwort nicht sofort. Ich gewinne dadurch Abstand, identifiziere mich weniger mit dem Problem, wechsle auch mal die Position und versuche, durch die Augen von anderen zu sehen.
Ich kann nur die Dinge ändern, die ich auch in der Hand habe. Alles andere darf ich anschauen, betrauern, mitfühlen. Ich mache das nicht zu meiner eigenen Last, ich lasse den Rucksack mit den Steinen stehen.
Zuversicht darf einfach und praktisch sein
Zuversicht in schwierigen Zeiten ist für mich also kein aufgesetzter Optimismus. Es ist eine bewusste Entscheidung, mich immer wieder in der Natur und der Stille aufzufüllen, und dann Verantwortung zu übernehmen für das, was in meinem Einflussbereich liegt. Nicht mehr, nicht weniger.
Wie hältst du es mit der Zuversicht, wenn die Welt gerade wieder ins Wanken gerät? Ich bin gespannt auf deine Wege.
Zuversichtliche Grüße, Birgit
Pingback:Blogparade Zuversicht: Was Menschen in schwierigen Zeiten trägt
Posted at 10:45h, 10 August[…] 👉🏻 Hier kannst du Birgits kompletten Artikel lesen: Zuversicht – Wenn die Welt ins Wanken gerät. […]
Pia Hübinger
Posted at 11:13h, 13 JuliLiebe Birgit,
vielen Dank für deinen offenen und berührenden Beitrag zu meiner Blogparade. Besonders mit deinem Bild vom Rucksack voller Steine kann ich sehr viel anfangen; genau so empfinde ich auch oft. Es beschreibt sehr treffend, wie sich die vielen Krisen, Nachrichten und Schicksale manchmal unbemerkt in uns ansammeln.
Ich finde es stark, wie du zeigst, dass Zuversicht für dich nicht bedeutet, alles positiv zu sehen. Sie entsteht vielmehr daraus, bewusst zu unterscheiden: Was kann ich beeinflussen und was darf ich loslassen? Auch deinen Gedanken, dass Zuversicht mit einem Gedanken beginnt, durch Worte wächst und schließlich im Handeln sichtbar wird, teile ich.
Danke, dass du so persönliche Einblicke gibst und gleichzeitig ganz konkrete Wege zeigst, die auch anderen helfen können – durch Natur, Bewegung, Meditation und die Entscheidung, den eigenen Handlungsspielraum zu nutzen.
Von Herzen
Pia
Birgit Buchmayer
Posted at 14:12h, 13 JuliHerzlichen Dank für deine Worte und die Inspiration deiner Blogparade. Liebe Grüße, Birgit