7 Gedanken im August 2026

7 Gedanken im August 2026

Linda Kunze ruft jeden Monat dazu auf, sieben Gedanken aus dem eigenen Monat festzuhalten. Keine große Chronik, keine Liste von Terminen, einfach das, was hängen geblieben ist. Ich mache zum ersten Mal mit, und gleich merke ich: Es ist gar nicht so einfach, aus einem ganzen Monat nur sieben Dinge herauszupicken. Die ursprüngliche Idee, schon am 7. des Monats meine Gedanken niederzuschreiben, habe ich sofort wieder verworfen. Inzwischen nehme ich mir die Freiheit, dann zu schreiben, wenn mir danach ist. Hier sind sie also, meine sieben Gedanken im August 2026.

Beobachtung

Was ist eigentlich so schwer daran, seinen Müll oder Abfall wieder mit nach Hause zu nehmen? Autobahnparkplätze sind kaum noch anfahrbar, so verhüllt sehen sie inzwischen aus, ganz zu schweige von den fehlenden Toiletten, was zu noch ganz anderen Unanehmlichkeiten führt. Hundekotbeutel werden im Wald einfach an den nächsten Baum gelegt, Zigarettenstummel fliegen aus dem Auto, das Kaugummi wird auf die Straße gespuckt und das Fahrrad einfach in den Rhein geworfen. Meine Liste könnte ich ewig fortführen. Und ich bin ehrlich, dies alles regt mich auf.

Ein Satz der geblieben ist

Ich war auf der Ausstellung im Schloss Oberhausen: Anja Niedringhaus, On the front line. Eine großartige Ausstellung einer noch großartigeren Fotografin mit eindrucksvollen Fotografien über Menschen im Krieg. 2005 gewann sie den Pulitzer-Preis, 2014 wurde sie in Afghanistan erschossen.

Mit diesem Bild gewann Anja Niedringhaus den Pulitzer Preis. Ein Soldat trägt eine „Soldatenpuppe“ als persönliches Maskottchen an seiner schusssicheren Weste.

Nach der Ausstellung war es noch lange still. Anja wollte mit ihren Fotografien die Grausamkeiten der Kriege und gleichzeitig den Alltag der Menschen sichtbar machen. Ich war sehr beeindruckt von ihrer fotografischen Ausdrucksweise. Obwohl sie immer nur wenig Zeit für die einzelnen Fotos hatte, wirkten viele wie eine Komposition für mich. Sie hatte eine besondere Gabe, die Dinge sichtbar zu machen und in jedem Bild eine ganz eigene Geschichte zu erzählen.

„Wenn ich es nicht zeige, dann wird es nicht bekannt.“ Anja Niedringhaus

Diese Ausstellung hat mit auf verschiedene Art und Weise gefesselt und gleichzeitig inspiriert. Und es ist etwas anderes, ob man von so etwas in den Nachrichten hört oder ob einem in einer Ausstellung ein ganzes Leben gezeigt wird, das mitten in seiner Arbeit endet.

Warum gibt es Krieg, und wofür soll das gut sein?

Leid, immerzu Leid. Dazu Trauer, Wut, Angst, Zerstörung, Vertreibung. Warum?

Die Frage lässt mich seit der Ausstellung nicht mehr los. Ich habe keine Antwort, ich will auch keine vorschnelle. Vielleicht ist es schon viel wert, die Frage überhaupt offen stehen zu lassen, statt sich mit einer bequemen Erklärung zufriedenzugeben.

Langeweile schafft Neues

Früher hätte ich Langeweile sofort mit irgendetwas zugestopft. Diesen August habe ich sie einfach mal ausgehalten und festgestellt: Sie tut gar nicht weh. Aus dem Nichtstun kommen die besten Gedanken, und manchmal auch gar keine, und das ist auch in Ordnung.

Besonders interessant ist für mich dabei, zu beobachten, was passiert, wenn ich für ein paar Stunden am Tag alle digitalen Medien ausschalte. Digital Detox auf einem von mir selbst verordneten Rezept. Verschiedene Stadien durchlaufe ich dabei: Entzug, Aktionismus, Langeweile, Kreativität – ein wunderbarer Prozess.

Das Glück des 30-Minuten-Yoga-Übens

Ich liege auf der Matte und spüre: mich in meiner Ganzheit. Den Körper, den Atem, Gedanken, die kommen und gehen und sich auch festsetzen, langsame Bewegung im Atemfluss, Entspannung. Eine halbe Stunde Yoga, mehr nicht, und trotzdem fühle ich mich danach wie neu geordnet. Es braucht wirklich nicht viel, um sich selbst wieder näherzukommen.

Bienen an den Blüten

Ich könnte den Bienen stundenlang zuschauen, wie sie von Blüte zu Blüte summen, ganz vertieft in ihre Arbeit. Kleine Glücksmomente im Alltag, eben genau deshalb so wertvoll.

Mittagsschlaf

Ja, darf ich. Und ich habe es diesen Monat öfter getan, als ich zugeben wollte. 10 bis 15 Minuten, mehr nicht, denn sonst überkommt mich für den Rest den Tages einen bleiernde Müdigkeit. So bin ich anschließend entspannt, energiegeladen und wach.

Das waren meine sieben Gedanken aus dem August. Was könnten deine sein? Schau doch mal bei Linda Kunzes Blogparade vorbei und mach mit, ich bin gespannt, was bei dir hängen geblieben ist.

Nachdenkliche Grüße, Birgit

1 Kommentar
  • Gabi Kremeskötter
    Posted at 15:06h, 26 August Antworten

    Liebe Birgit,
    danke für deine Gedanken des Monats.
    Begonnen bei der Schwere der Kriegsberichterstattung, ich kann gut nachvollziehen, dass dir die Ausstellung noch lange nachgegangen ist, wäre mir – hätte ich ebenfalls den Weg dorthin gefunden – sicher auch nicht einfach so abschütteln können – und das ist auch richtig so!
    Selbst wenn ich selbst Kriegsnachrichten, und das gebe ich ehrlich zu, wiederholt aus meinem Fokus ausblende, läuft unterschwellig genau deine unbeantwortete Frage „Warum gibt es Krieg?“ stets mit.
    Die Hilflosig- und Machtlosigkeit gegenüber den Akteuren lähmt mich, am liebsten würde ich einen Erdkugelgroßen Sack aufmachen, die Treiber dort hineinstecken und derart durchschütteln, dass sie für den Rest ihres Lebens nicht mehr in der Lage wären, weiteres Unheil in der Welt zu verbreiten.
    Wenn das so einfach wäre …

    Wir lesen uns, liebe Birgit,
    herzlichst
    Gabi

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