Momente der Achtsamkeit auch bei Trauer

Momente der Achtsamkeit auch bei Trauer

Auch in diesem Jahr werde ich einmal im Monat an der Mini-Blogparade 8sammeln von Susanne Wagener teilnehmen. Dabei wird am achten eines Monats acht achtsame Momente gesammelt, erlebt, wahrgenommen und dann beschrieben.

Heute fällt es mir schwer. Die letzten zwei Monate habe ich beim acht-sammeln nicht mitgemacht, ich musste mich selbst erst einmal sammeln . Vor zwei Monaten verstarb mein Vater. er wurde 98 Jahre alt und er hatte zusammen mit meiner Mutter ein wirklich erfülltes Leben, so weit, wie ich das beurteilen kann. Für mich gehört der Tod zum Leben dazu, dennoch könnt er immer plötzlich und unerwartet. Auch wenn mir sehr bewusst war, das mein Vater jederzeit sterben wird, hat der Anruf des Notarztes mich erst einmal umgehauen.

Und heute trifft mich wieder einmal die Welle der Traurigkeit. Auf dem Bild seht ihr mich als Fünfjährige mit meinem Vater zusammen in Venedig.

  1. Der Wecker klingelt, ich blinzle zu meiner Uhr und stelle ihn aus. Ich will noch nicht aufstehen, denke ich. Ich lege mich für einen Moment auf den Rücken, fühle die Wärme und Schwere der Bettdecke, höre den Atem meinen Mannes neben mir. Erste Gedanken über meinen Tag entstehen. Ach ja, die Trauer-Dankeskarten für Freunde und Verwandte stehen heute auf dem Plan. Sofort habe ich einen Kloß im Hals.

  1. Ich liebe heißes Wasser. Jeden Morgen nach dem Aufstehen trinke ich mindestens eine Tasse heißes Wasser. Ich spüre wie sich mein Mundraum mit dem heißen Getränk füllt. Die Temperatur ist gerade so, dass ich mich nicht verbrenne. Ich schmecke nichts und doch ist da ein bestimmter Geschmack. Paradox!

  1. Am Vormittag kreiere ich die Dankeskarten. Mein Magen krampft sich zusammen, meine Brust wird ganz eng, der Atem geht flach und die Tränen laufen. Ich lasse die Traurigkeit zu.

  1. Und dann ist da ein kleiner Moment, ein zaghaftes Lächeln hinter den Tränen. Ich merke, wie mein angestrengter Atem leichter wird, wir die Welle der Traurigkeit abebbt. Ich erlebe in diesem Augenblick die Gewissheit, dass auch die schwersten Momente vorbeiziehen, es bedeutet nicht das Ende, sondern vielmehr ein Anfang von etwas Neuem.

  1. In zigtausend Fotos finde ich ein schönes Foto von meinen beiden Eltern, er hält seinen Arm um sie und beide lächeln. Bei mir weint ein Auge und ein Auge lächelt. So ist das Leben oder dazwischen spielt sich das Leben ab.

  1. Am Nachmittag muss ich eine Runde durch den Wald gehen, mich bewegen, erden und mich mit der Natur verbinden. Ich spüre die kalte Luft an meinem Gesicht. Ich höre meine knirschenden Schritte auf dem Schnee. Und ich merke, wie die Anspannung meinen Körper verlässt. Das tut gut.

  1. Wieder zu Hause bereite ich mir einen Cappuccino. Ich schmecke Süßes und Bitteres und die Zartheit des Milchschaums. Einfach lecker.

  1. Am Abend mache ich es mir auf dem Sofa gemütlich. Im Kamin prasselt ein Feuer, die Lichterkette der Weihnachtsbaumes (er steht noch) sorgt für gedämpftes Licht. Ich kuschele mich noch in eine Decke ein, lehne mich zurück und lasse den Tag Revue passieren. Ein wohliges Gefühl der Dankbarkeit und des Vertrauens ins Leben breitet sich aus. Bin ich gut zu mir, kommt Gutes zurück.

Während ich diese Zeilen schreibe, erlebe ich alles ein weiteres Mal. Alles ist fein.

Herzliche Grüße, Birgit

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