05 Juli Marrakesch ist eine Reise wert
Ich bin nicht zufällig in Marokko gelandet. Ein paar Monate zuvor sitze ich in einem Wochenendworkshop bei Nadine Pungs. Sie ist Reisende, Autorin und, wie sich zeigen sollte, eine wunderbare Reiseleitung. Ich bin begeistert, wie sie den Prozess, die Freude und das Schreiben an sich vermittelt. Am Ende der Veranstaltung nehme ich einen Flyer mit: eine Woche „Schreiben auf Reisen“ in Marrkesch mit Nadine.
Da gibt es eigentlich nicht viel zu überlegen, kurzentschlossen nehme ich mir eine Woche Urlaub und melde mich für diese besondere Reise an. Sieben Teilnehmer:innen sind wir am Ende, sechs Frauen und ein Mann, und jeden Tag bekommen wir eine Aufgabe, aus der ein kleiner Text entsteht. Was daraus geworden ist, liest du hier.
Die Medina von Marrakesch
Enge Gassen, lichtdurchlässige Holzdecken, Laden an Laden und jede Menge Menschen: europäische und marokkanische Touristen, Einheimische, dazu Moped- und Radfahrer, die sich in halsbrecherischem Tempo durch die Souks schlängeln. Verbotsschilder werden geflissentlich ignoriert. Manche Straßenschilder sind mit unzähligen Aufklebern unkenntlich gemacht (hier gelten offensichtlich eigene Regeln).


Die Geschichte der Souks von Marrakesch reicht zurück bis ins 11. Jahrhundert. Marrakesch war ein bedeutendes Handelszentrum, ein wichtiger Halt auf den transsaharischen Handelsrouten, die Nordafrika, den Nahen Osten und Europa verbanden. Hier wurde alles Mögliche getauscht und verkauft: Gold, Salz, Textilien, Tiere. Daraus entstand ein zentraler Markt mit spezialisierten Souks für Gewürze, Lederwaren, Keramik, Schmuck und unzählige Kunsthandwerker. Die gesamte Altstadt, die heutige Medina mit ihren unzähligen Souks, gehört seit 1985 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Damit sich alle zurechtfinden, sind die Souks nach Gewerken eingeteilt. In der einen Straße werden hauptsächlich Keramiken verkauft, in der nächsten Schmuck, auf einem Platz Gewürze und pflanzliche Medizin, dann Lederwaren, Lampen und Unmengen von Souvenirs für die vielen Touristen. Ein Geschäft reiht sich an den nächsten schmalen Laden, die Besitzer hocken auf einem Stuhl davor. Die meisten Gassen sind mit durchbrochenen Holzdecken überdacht. So lässt es sich aushalten: Ich laufe im Schatten, und die Sonne zaubert Licht-Schatten-Spiele auf den Boden und die Verkaufsstände.

Je später der Tag, desto voller die Gassen. Ich lasse mich treiben, beobachte, rieche, höre, fühle und schmecke die Medina. Alle Sinneseindrücke prasseln gleichzeitig auf mich ein, bunt, laut, eng, süß und wild – ich liebe das. Ich will alles aufsaugen, festhalten, aufschreiben und fotografieren. Dabei vergesse ich fast den Verkehr: Fahrradfahrer, TukTuks und Mopeds schlängeln sich in einem aberwitzigen Tempo durch die menschenvollen Gassen. Wie sie das machen, bleibt mir ein Rätsel. Wahrscheinlich braucht es die Kombination aus Wendigkeit, Geschicklichkeit, vorausschauendem Denken und einer großen Portion Glück, damit es nicht zu Unfällen kommt. Ich jedenfalls bin beeindruckt und halte mich schön rechts am Rand.



Im Souk der Wollhändler werde ich angesprochen. „Madame, darf ich Ihnen zeigen, wie die Wolle gefärbt wird?“ Das möchte ich sehen und willige ein. Auf einem kleinen Tisch stehen allerlei Schälchen mit verschiedenen Farben. „Alles ganz natürlich“, wird mir erklärt. Wie die Wolle tatsächlich gefärbt wird, bekomme ich freilich nicht zu sehen, dafür den Verkaufsraum mit jeder Menge Tüchern und Schals in allen erdenklichen Farben und Mustern.
Ehe ich mich versehe, wird mir ein blaues Tuch wie ein Turban um den Kopf gewickelt. „Nein, nein“, sage ich, „das ist nicht meine Farbe.“ Ich schaue mich um und entdecke ein bordeauxrotes Tuch. Es fühlt sich angenehm weich und leicht an. „Wie viel soll das kosten?“, frage ich. Er nennt mir die Summe von 600 Dirham. Ich schaue ihn ungläubig an, runzle die Stirn und nenne meine Preisvorstellung. Nun beginnt meine große Freude, das Handeln. Es geht hin und her, gleichzeitig gejammert und gelacht. Am Ende bezahle ich 200 Dirham, wahrscheinlich immer noch genug. Auf jeden Fall sind wir beide zufrieden über das abgeschlossene Geschäft.
Die verschwundene Brücke und der 20 Minuten Markt
Wer hätte gedacht, dass im Ende Mai auf den Bergen des Atlas-Gebirge noch Schnee liegt, während wir in Marrakesch bei 35 Grad schwitzen? Yusef, unser Fahrer, fährt uns sicher aus der Stadt hinaus. Den Schnee sehen wir in der Ferne glitzern, auf den Gipfeln der Berge, die den ganzen Tag unser Begleiter bleiben werden.

Die Fahrt führt vorbei an Feldern, Oliven- und Granatapfelbäumen, an einem Stausee und durch einsame, kleine Dörfer. Vieles wirkt auf den ersten Blick verlassen oder unbewohnt. Die Häuser haben nach außen hin nur wenige kleine Fenster. Das Leben spielt sich hinter verschlossenen Türen ab und gestattet dem Fremden keinen Blick nach innen. Sogar die Felder sind mit hohen Lehmmauern eingefasst. Ein Hirte mit seiner Ziegenherde kreuzt die schmale, inzwischen unbefestigte Straße, und ich frage mich schon, ob hier überhaupt jemand lebt.

Dann, ein Ort weiter: Eine Frau begrüßt ihren Vater, Großvater oder Onkel mit einem Kuss auf die Hand. Der Mann zieht ihren Kopf mit beiden Händen zu sich und küsst sie auf die Stirn. Ich bin berührt von dieser kleinen Geste, erhasche einen winzigen, intimen Augenblick zwischen zwei Menschen. Hier ist also doch Leben.
Die holprige Straße endet an einem Flussufer. Die Brücke, die hier eigentlich über den Fluss führen sollte, ist verschwunden (wo auch immer sie geblieben ist). Der Atlas zieht sich weiter zurück in die Ferne, unerreichbar wie ein Ziel, das sich immer im letzten Moment verschiebt, und wir kehren um. Den ganzen Weg wieder zurück.

Ich werde müde, mir ist langweilig. Genau in diesem Moment, an irgendeiner Kreuzung, biegt Yusef rechts ab und wir nähern uns einer kleinen Stadt. Alle Menschen scheinen hier auf den Straßen zu sein. Schafe werden auf Anhängern transportiert, in großen Taschen allerlei Einkäufe. Hier ist echt was los.
Am Ende des Städtchens liegt ein Markt. Hier ist noch mehr los. Meine Müdigkeit ist im Nu verschwunden. Alle wollen auf diesen Markt, wo Marokkaner und Marokkanerinnen ihre Lebensmittel und andere Dinge einkaufen, nicht wir Touristen. Yusef sucht einen Parkplatz, und wir bekommen zwanzig Minuten Zeit für den Marktbesuch. Durch den Umweg der nicht vorhandenen Brücke sind wir schon spät dran mit dem vorbestellten Mittagessen, deshalb die Eile.
Hektisch verlasse ich das Auto, die Kamera in der rechten Hand bereit, schnellen Schrittes überquere ich über die Straße. Dann werde ich mitgenommen von einem Menschenstrom, der sich durch den engen Markteingang schiebt.


Die Händler haben ihre Waren auf Plastikplanen auf dem Boden ausgebreitet: Berge von Zwiebeln, Kürbissen, Tomaten, Auberginen, Kartoffeln in der einen Gasse. In der nächsten Äpfel, Mirabellen, Bananen, Pfirsiche, in einer weiteren Nüsse, Datteln und Süßigkeiten. Dann noch eine Gasse mit Haushaltswaren und eine mit Kleidung. Der Markt ist strukturiert wie alle anderen Märkte auch. Mitten im Chaos herrscht Ordnung. Jeder weiß, wo sich was befindet und wo er oder sie hin muss.


„Bonjour Madame“, werde ich freundlich begrüßt und ich lächle zurück. Bei einem Händler kaufe ich etwas Obst. Wortlos reicht er mir eine Plastiktüte. Ich suche mir ein paar Bananen, Pfirsiche und Mirabellen aus. Alles wird zusammen abgewogen. Da ich kein Wort verstehe, reiche ich ihm einfach einen Hundert-Dirham-Schein, das sind umgerechnet 10,00 €. Er zählt ein paar Scheine von seiner Geldklammer ab, sucht die passenden Münzen neben der Waage zusammen und gibt mir mein Rückgeld. „Shukran“, ich bedanke mich und tauche ein in die nächste Gasse.
Am Ausgang spuckt mich der Markt wieder aus. Genauso viele Menschen verlassen ihn in diesem Moment wie hineinströmen. Zwanzig Minuten reichen nicht annähernd, um so einen Ort wirklich zu verstehen, aber sie reichen, um ihn zu spüren.
Eid al-Adha – gelebte Tradition
Gestern Abend blökt noch ein Schaf auf der Dachterrasse des Nachbarn. Am nächsten Morgen liegt ein Schafsfell an der Straßenecke. Ich ahne, was das bedeutet, verstehe es aber erst richtig, als ich durch die Gassen der Medina flaniere.
Kinder spielen Fußball, zwei Männer eilen mit einem Müllcontainer an mir vorbei. Ich rieche den metallischen Geruch von Blut. Das Schafsfell an der Ecke ist inzwischen verschwunden.

Die Geschäfte der Medina sind verschlossen, die Straßen leer und still. Dichter Rauch wabert durch die Gassen. Wo gestern noch die Sonne ihre Schattenspiele auf das Pflaster zauberte und die Stände ihre bunten Waren anboten, wirkt heute alles farblos. Ein paar Mopedfahrer rasen an mir vorbei, vielleicht froh über die freie Fahrt.
Es riecht verbrannt. Wie eine Kompassnadel richte ich mich nach dem Gestank aus, der mit jedem Schritt beißender wird. In der nächsten Gasse reihen sich vier Feuerstellen aneinander. Hände schieben Holz nach. Auf den Grillrosten kokeln kohlrabenschwarze Schafsköpfe.

Durch das Feuer verbrennen die Haare und die Haut der Tiere, anschließend werden die Köpfe gereinigt und zubereitet. Das übrige Fleisch vom Tier wird geteilt: ein Drittel für Bedürftige, ein Drittel für Verwandte und Freunde, ein Drittel für das Festessen heute in der eigenen Familie. Eid al-Adha, das islamische Opferfest, erinnert an Abrahams Bereitschaft, seinen Sohn zu opfern – und an das Schaf, das an seiner Stelle geopfert wurde.


Ich bleibe stehen, glotze, übertrete Grenzen, fühle mich wie ein Eindringling. Das hier ist Männersache. Sie drehen und wenden die Köpfe, legen fertige beiseite, packen frische aufs Feuer. Jeder weiß, was zu tun ist, ein eingespieltes Team. Ich trete den Rückzug an. Weiß doch so wenig über dieses Land und dieses Fest.
Und dann, mehrere junge Frauen in roten, violetten und grünen Djellabas (traditionelles, bodenlanges Übergewand) düsen auf Mopeds an mir vorbei, die Kleider flattern im Wind, mit dem Handy fotografieren sie sich selbst. Aus einem Haus ertönt der aktuelle Hit „Per la Vita“. Freude pur, und alles ganz normal.
Weder scheu noch zutraulich: die Katzen von Marrakesch
Schon gleich zu Beginn nach der Ankunft in Marrakesh treffe ich auf sie. Den Koffer hinter mir herziehend und mit schnellem Schritt eile ich Yusef hinterher, geradewegs auf das Riad zu, wo ich untergebracht bin. Um Haaresbreite verfehlt mein linker Fuß eine getigerte Katze. Sie bleibt völlig unbeteiligt, unbeweglich und unerschrocken am Häuserrand liegen, währen ich erschrocken bei Seite springe. Am nächsten Tag liegt sie wieder genau dort. Und am übernächsten auch.
Die Katzen der Medina sind fester Teil des Straßenbilds, so selbstverständlich wie die Gewürzstände oder die Mopeds. Besonders am Tag von Eid al-Adha fällt mir auf, wie viele von ihnen unterwegs sind, mitten auf den Straßen und in den leeren Gassen zwischen. Nicht am Rand, nicht versteckt, sondern mittendrin. Als wären sie die eigentlichen Herrscherinnen der Medina.



Ich bin fasziniert. Sie sind weder scheu noch zutraulich. Sie kommen nicht angelaufen wie Katzen, die auf Futter hoffen, und sie flüchten auch nicht, wenn ich mich nähere. Stattdessen bleiben sie einfach liegen oder sitzen, selbstbewusst und entspannt, so wie meine Koffer-Katze am Häuserrand. Sie scheinen zu wissen, dass sie hierher gehören und ihnen niemand etwas tut.
Djemaa el-Fna: Straßenküche, Schlangen und Stimmengewirr
Wo heute Fleischspieße brutzeln und Suppentöpfe dampfen, wurden einst Köpfe auf Pfählen aufgespießt. Djemaa el-Fna, „Versammlung der Toten“ oder eben „Platz der Gehenkten“, diente zur Zeit der Almoraviden und Almohaden, kurz nach der Gründung von Marrakesch im Jahr 1070, als Hinrichtungsstätte. Heute, fast tausend Jahre später, steht der Kulturraum dieses Platzes als erster Ort überhaupt auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Von Vergänglichkeit zu Weltkulturerbe ist das ein ziemlicher Wandel.
Und jeden Abend zeigt sich, wie lebendig dieser Wandel ist. Der Platz ist riesig, wahrscheinlich einer der größten der Welt, und sobald die Sonne untergeht, füllt er sich. Hier könnte ich verloren gehen. Unzählige Essenstände reihen sich aneinander, dazwischen Obststände mit frisch gepresstem Saft, Musikgruppen, traditionelle Tanzaufführungen. Stimmengewirr und Musik überlagern sich zu einem einzigen großen Klangteppich.

An einem der Essensstände gibt es die beste Suppe meines Lebens: aus einem 80-Liter-Topf, sättigend, würzig, für unschlagbare 50 Dirham, umgerechnet 50 Cent. An einem anderen Abend, gemeinsam mit meiner Schreibgruppe, bestelle ich Fleischspieße mit Couscous. Das Fleisch zäh wie Schuhsohlen, der Couscous trocken, das Gemüse ohne Salz und das Ganze so teuer wie in einem guten Restaurant, 12 Euro pro Person, ohne Getränk. Beste Suppe, schlechtestes Essen, beides auf demselben Platz.
Zwischen den Ständen stehen Männer mit Affen in Windeln und Schlangenbeschwörer mit ihren Flöten. Ich mache einen großen Bogen um diese Attraktionen und fotografiere sie nicht. Ich beobachte, wie einer Frau ungefragt eine Schlange um die Schultern gelegt wird. Sie will das nicht, kann sich aber nicht wehren. Die Tiere tun mir leid.

Der Platz der Gehenkten trägt seine Geschichte noch im Namen, hat sich aber längst weitergedreht, von der Hinrichtungsstätte zur lautesten, buntesten Bühne der Medina. Und wie überall, wo viele Menschen zusammenkommen, liegen hier die beste Suppe und das schlechteste Essen, das schönste Miteinander und das traurigste Bild nur wenige Schritte auseinander.
Streetfotografie mit Lutz Jäckel
Ein besonderes Extra dieser Reise: ein Streetfotografie-Workshop mit Lutz Jäkel, Freund von Nadine. Die Menschen in Marrakesch lassen sich nur ungern fotografieren, also lernen wir, unbemerkt zu arbeiten – aus der Hüfte heraus, ohne die Kamera vors Auge zu heben.
Das klingt einfacher, als es ist. Den richtigen Winkel zu finden, ohne dass meine Hand verkrampft aussieht und mich damit verrät, fällt mir schwer, schließlich soll das Fotografieren ja unbemerkt bleiben. Trotzdem entstehen ein paar richtig gute Bilder.


Was ich sonst noch mitnehme: Ein Bild darf ruhig schief sein. Linien gehören mit ins Bild. Pfützen nach regen sind ganz wunderbar. Und wieder sich Zeit nehmen, die Szenerie beobachten, genau wie beim Schreiben.


Eigentlich komme ich aus der Fotografie, das Schreiben ist für mich das Neuere. Beide Disziplinen haben viel gemeinsam und sind dennoch ganz unterschiedlich. Ich muss aufpassen, mich nicht sofort in der Fotografie zu verlieren, sondern mich auch auf die Sinneswahrnehmungen zu konzentrieren, die ich fürs Schreiben brauche. Beides gleichzeitig zu tun, ist eine eigene kleine Kunst.
Was bleibt
Was für Tage zwischen Stille und Trubel: ein verschwundener Fluss, ein Berg, der sich immer weiter zurückzieht, zwanzig Minuten Marktgetümmel, ein Opferfest und ein Platz, der seinen Namen von Hinrichtungen hat und heute doch nur noch vor Leben pulsiert. Vielleicht ist genau das die Essenz des Reisens: Man plant eine Brücke und bekommt einen Markt. Man will nur flanieren und steht plötzlich vor vier Feuerstellen mit Schafsköpfen. Wenn du das nächste Mal auf einer geplanten Route ins Leere läufst oder in etwas hineingerätst, das du nicht verstehst, schau ruhig genauer hin. Dort wartet womöglich das eigentliche Ziel.


Die Schreibgruppe
Wir sind von Anfang an eine harmonische Gruppe. Kritik an unseren Texten ist konstruktiv und wertschätzend, so wie es sein soll, wenn man sich eine Woche lang gegenseitig beim Schreiben zusieht und beim Vorlesen zuhört. Wir alle erleben unsere eigenen kleinen Marrakesch-Geschichten:
Francesca kauft auf dem Djemaa el-Fna einem Senegalesen ein Bild aus Schmetterlingsflügeln ab. Sie lässt sich sofort von seiner charmanten Art überzeugen und zögert keinen Moment. Bei Elke verschluckt der Bankomat die Kreditkarte, natürlich ohne Geld auszugeben. Sie dreht sich um und findet gleich darauf 100 Dirham buchstäblich auf der Straße liegen. Das Geld verschenkt sie an eine Frau, die die Straße fegt. Auch Arwen erzählt von ihrem ungewollten Einkaufserlebnis. Mit einer Tüte gefüllt mit Seifen und Arganöl verlässt sie den Laden. Jessica hadert mit dem Atlasgebirge in das wir eigentlich fahren wollten und das sich ihr entzieht, als gäbe es dort ein Geheimnis. Und Ralf, der einzige Mann in unserer Runde, wird beim Kauf von Briefmarken von einer stillenden Verkäuferin überrascht.
Am letzten Tag schreiben wir unsere eigene kleine Szene und lesen sie uns gegenseitig vor. Ich habe über das Opferfest geschrieben (du hast die Szene weiter oben gelesen). Beim Vorlesen bin ich ein wenig aufgeregt, fühle mich aber wohl in dieser Gruppe. Am Ende gibt es Applaus und Wertschätzung, wie bei allen anderen auch.
Am meisten beeindruckt hat mich der Kontrast zwischen den quirligen, lebendigen Souks der Medina und der Stille am Tag des Opferfests. Diese Lebendigkeit einer jahrhundertealten Tradition, mitten im Alltag, das nehme ich mit.
Natürlich habe ich in der Woche auch ganz viel gelernt:
- hinsehen, beobachten, wahrnehmen
- auf Kleinigkeiten, Unscheinbares und Unsichtbares achten
- alle Sinne mitnehmen, sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen
- Unerwartetes mitnehmen ohne zu werten
- eigene Zweifel, hadern, Enttäuschungen innere Zwiespälte erkennen
- Freude am Schreiben erleben
- sich Zeit für den Text nehmen und den Text kürzen – was hier wahrscheinlich auch noch sein muss
Liebe Grüße oder auf marokkanisch: Bslama, Birgit
P.S. Anita von „riesenhimmelblau“ sammelt mit ihrer Blogparade Welches Reiseziel hat dich positiv überrascht Reisegeschichten. Da mich diese Reise Marrakesch nicht nur begeistert, sondern Land, Leute und Traditionen auch positiv überrascht haben, wird meine Geschichte auch dort verlinkt.
Gabi Kremeskötter
Posted at 16:55h, 11 JuliLiebe Birgit,
großartig verwebst du schreibenderweise deine Eindrücke mit den optischen Kameraeinstellungen. Klasse!
Mein Lieblingsfoto? Der Pfützenspiegel.
Mein Lieblingssatz? Dieser hier: „Wenn du das nächste Mal auf einer geplanten Route ins Leere läufst oder in etwas hineingerätst, das du nicht verstehst, schau ruhig genauer hin. Dort wartet womöglich das eigentliche Ziel.“
Die Entscheidung, diese Reise zu machen, war goldrichtig, will mir scheinen und wird dich weitertragen, in Worten und Bildern.
Beeindruckend!
Herzlichst
Gabi
Birgit Buchmayer
Posted at 17:06h, 12 JuliLiebe Gabi,
Deine Worte bedeuten mir sehr viel, herzlichen Dank,
Birgit
Ingo
Posted at 11:21h, 11 JuliDas ist schon sehr beeindruckend und inspirierend, was du alles in der kurzen Zeit erlebt hast. Da bekommt man Reiselust und möchte auch mal in dieses wundervolle Land reisen, gerne auch mit dir als Reiseleitung🤩😍
Birgit Buchmayer
Posted at 17:07h, 12 JuliLieber Ingo,
Das machen wir auch mal gemeinsam.
Deine Birgit
Francesca Schüler-Finkel
Posted at 12:46h, 09 JuliLiebe Birgit, das ist ein großartiger Beitrag! Der wunderbar verfassteText hat mich sofort in die Medina zurück gebracht 🥰 die Details sprechen alle Sinne an und deine Bilder sind optische Highlights!
Birgit Buchmayer
Posted at 19:59h, 09 JuliVielen Dank liebe Francesca,
Das war ja auch eine sehr besondere Reise, Marrakesch, du und die anderen Teilnehmer. Ich habe jede Minute genossen.
Herzliche Grüße, Birgit
Karina
Posted at 21:14h, 07 JuliLiebe Birgit, du schreibst mit allen Sinnen. Herrlich. Gefühlt bin ich mit dabei. Bei der Schubkarre mit der Restverwertung hätte ich wahrscheinlich die Hände vors Gesicht geschmissen 🫣
Ich liebe deine Bildsprache. Die Farben passen so gut zum Land. Auch die „aus der Hüfte geschossenen“ Bilder…großartig. Mich würde auch interessieren, wie der Artikel schreibend entstanden ist? Hast du Früh, währenddessen oder am Abend dir Notizen gemacht? Gab es Aufgaben, worauf ihr achten solltet? Danke fürs Mitnehmen auf diese sehr farbenfrohe, bunte Reise. Liebe Grüße, Karina
Birgit Buchmayer
Posted at 21:18h, 07 JuliLiebe Karina,
vielen Dank.
Wir bekamen jeden Tag kleine Aufgaben: mit allen Sinnen wahrnehmen, starke Verben verwenden, auf Kleinigkeiten und Unscheinbares achten, einen Konflikt ( auch ein innere ) spüren. Notizen habe ich immer wieder über Tag und besonders viele am Abend gemacht. Ich wusste schon am Morgen des Festes, das wird meine Szene der Schreibwoche. Diese habe ich dann geschrieben, gekürzt, mit Nadine überarbeitet und vorgelesen. Alles andere entstand dann an Hand meiner Notizen und Erinnerungen zu Hause. Alles war für mich eine echte Bereicherung.
Liebe Grüße, Birgit.
Nadine
Posted at 10:12h, 07 Juli❤️