28 Juni Gedanken über Liebe, Verlust und Aufbruch
Manchmal sitze ich abends auf dem Sofa, die Decke um die Schultern, das Feuer im Kamin prasselt, und ich denke nach. Über das Leben, den Tod, über Freundschaft und Liebe. Dabei merke ich immer wieder: Liebe, Verlust und Aufbruch gehören für mich untrennbar zusammen. Das eine bringt das andere mit sich, wie ein Kreis, der sich immer wieder schließt und neu öffnet.
Gabi Kremeskötter hat mich mit ihrer Blogparade „Über Liebe, Verlust und Aufbruch“ zu Nachdenken gebracht und mich zu diesem persönlichen Artikel inspiriert.
Liebe
Liebe zeigt sich bei mir selten laut. Viel öfter im Leisen. Im Atem meines Mannes neben mir, wenn der Wecker klingelt. In der Tasse heißem Wasser am Morgen, die ich mir jeden Tag gönne. In einem Blick, bei dem nichts erklärt werden muss. Ich liebe die Natur, meinen Garten, den Wald, die kalte Luft im Gesicht, das Knirschen der Schritte auf dem Schnee oder den Tau unter meinen Füßen und die Sonne auf der Haut.
Ich liebe Menschen, egal welcher Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Geschlecht. Als Buddhistin bin ich fest davon überzeugt, dass wir alle die Buddha-Natur in uns tragen, auch ich. Das bedeutet, dass alle fühlenden Wesen von Natur aus über einen vollkommenen Geist verfügen und somit das innewohnende Potenzial zur Erleuchtung haben.
Liebe ist für mich so viel mehr als die Anziehungskraft zwischen zwei Menschen. Liebe ist etwas Großes, Allumfassendes, etwas Universelles, und sie steckt in uns allen drin.
Verlust
Im November letzten Jahres ist mein Vater gestorben. 98 Jahre alt, ein erfülltes Leben, so weit ich das beurteilen kann. Und trotzdem hat mich der Anruf an jenem Tag umgehauen. Neben der Trauer und den Tränen sind da so viele schöne Erinnerungen an die gemeinsam verbrachte Zeit.
Genau ein halbes Jahr später starb mein spiritueller Lehrer. Durch ihn bin ich zu dem Menschen geworden, der ich heute bin. Natürlich ist das ein Verlust für mich, dennoch überwiegt eine tiefe Dankbarkeit.
Verlust hat viele Gesichter. Es gibt Freundschaften, die sich irgendwann leise aufgelöst haben. Lebensphasen, die endeten, ohne dass ich es kommen sah. Pläne, die ich loslassen musste. Jeder dieser Verluste hat sich anders angefühlt und dennoch war in jedem dieselbe Bewegung: eine Welle der Traurigkeit, Angst, manchmal Wut, dann, irgendwann, ein zaghaftes Lächeln hinter den Tränen.
Aufbruch
Dann kommt der Moment, in dem ich merke: Es geht weiter. Nicht, weil der Schmerz vorbei ist, sondern weil etwas in einem selbst beginnt, wieder nach vorn zu schauen. Das zarte Pflänzlein Zuversicht und Vertrauen beginnt zu keimen, wurzelt und wächst heran.
Aufbruch kommt ganz still, fast unbemerkt daher. Am Anfang ist da ein Gedanke, der noch nicht gedacht wurde. Dann ein Gespräch mit Vertrauten und schließlich eine Entscheidung. Oft erkenne ich den Aufbruch erst, wenn ich nach Monaten zurückblicke. Dann fühle ich, da hat etwas Neues angefangen.
Was ist mir wichtig
Liebe, Verlust und Aufbruch sind für mich untrennbar miteinander verwoben. In jedem Abschied steckt ein Neubeginn und lässt die Liebe wachsen. In der Liebe, so wie ich sie für mich heute verstehe, sind alle Menschen und Erfahrungen, die ich gelebt, geliebt und verloren habe, irgendwie mit dabei.
Herzliche Grüße, Birgit
Gabi Kremeskötter
Posted at 17:41h, 30 JuniLiebe Birgit,
ich freue mich sehr, dass du auch in diesem Jahr einen Beitrag zu meiner Blogparade veröffentlicht hast. Ich lese bei dir von der Liebe, die in uns allen steckt; Wellen von Traurigkeit, hinter der sich auch Lächeln voller Dankbarkeit zeigt; und dann das „Pflänzchen Zuversicht und Vertrauen“.
Ich danke dir für deine Zeilen, in denen auch ich mich wiederfinde.
Herzlichst
Gabi