Kraftquelle Natur – meine ganz eigene Geschichte

Kraftquelle Natur – meine ganz eigene Geschichte


Eine Momentaufnahme: Ich stehe in meinem Garten, früh am Morgen. Die Luft ist noch kühl, der Tau liegt auf den Blättern. Ich atme tief ein und aus. Unter den Fußsohlen spüre ich das feuchte Gras, ich rieche den süßlichen Rosenduft der Rambler-Rose und höre das Summen der Hummeln. Wie von selbst entsteht ein Lächeln in meinem Gesicht und ich nehme eine tiefe Zufriedenheit wahr.

Hier ist mein Artikel zur Blogparade: Was bedeutet „Kraftquelle Natur“ für mich? Ganz einfach gesagt: mein Garten, der Wald vor meiner Tür, und alles, was dazwischen liegt, wenn ich unterwegs bin zwischen Bergen und Wasser.

Gleichzeitig verlinke ich meinen Artikel bei Birgit Rotter, die in Farchant ein kleines Hotel und bei Sadhana Kraus, sie gestaltet Gärten mit Stauden. Beide haben wie ich eine Blogparade zum Thema Kraftorte gestartet.

Mein Garten

Mein Garten ist mein erster Kraftort. Sobald ich die Haustür verlasse, stehe ich mitten im Garten. Etwas wild sieht er aus, der frühere Rasen ist inzwischen mehr Wiese mit viel Klee, Gänseblümchen und Günsel. In den Beeten darf vieles wachsen, so wie es will. Dazu kommen die wunderschönen Kletterrosen und neben der Terrasse noch zwei verwunschene Sitzplätze. Vielleicht ist der Garten ein wenig mein Spiegelbild, in dem alles sein darf. Auch ich darf hier sein, so wie ich bin.

Hier sehe ich die Jahreszeiten kommen und gehen. Die ersten Knospen im Frühling. Das satte Grün im Sommer. Die reifen Früchte im Herbst und die Stille im Winter. Ein stetiges Kommen und Gehen, Geburt und Tod, miteinander verwoben und ungetrennt. Dazwischen das Leben, die Jahreszeiten im Wechsel. Jeder Tag, jede Stunde, jede Minute ist neu und vergeht so gleich. Jeder Moment ist einzigartig und vollkommen.

Hier spüre ich Verbindung, ich bin ein Teil von Allem, ungetrennt. Das gibt mir Zuversicht und Geborgenheit.

Im Wald

Mein zweiter Kraftort liegt genauso nah: der Wald um mich herum. Haus und Garten sind nur durch einen Pfad voneinander getrennt. Ich bin so gerne in „meinem“ Wald. Hier gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken, auch wenn ich meine, ich kenne schon alles. Manchmal wünsche ich mir, wir hätten im Deutschen genauso viele unterschiedliche Wörter für Grüntöne, wie die Eskimos für Schnee.

Dieses Grün, mal hell oder dunkel und ganz viel dazwischen. Morgens ist das Grün anders als mittags oder abends, in der Sonne oder im Schatten. Ein ganz besonderes Grün erscheint im Mondlicht. Hast du es schon gesehen?

Der Wald scheint den Sinnen ein schier unerschöpfliches Angebot. Der Geruch nach nasser Erde, modrigem Holz oder Pilzgeruch im Herbst. Geräusche wie das Rascheln der Blätter, das Knarzen der Baumstämme, verschiedenste Vogelstimmen oder das Klopfen des Spechte.

Beim Gehen im Wald verlieren sich meine festhängenden Gedankenschleifen, Emotionen wie Ärger, Wut oder Trauer werden weniger, verhärtete Strukturen lösen sich allmählich auf und Raum für Neues entsteht. Der Wald heilt mich, er nimmt sich das, was ich für den Moment nicht mehr benötige, und füllt mich auf mit Frische und Leichtigkeit.

Die Kamera als Wegbegleiter

Wer mich kennt, weiß: Ohne Kamera gehe ich selten in die Natur. Fotografieren ist für mich keine Dokumentation, sondern eine Übung in Achtsamkeit. Sobald ich durch den Sucher schaue, werde ich langsamer. Genauer. Präsenter. Ich sehe Strukturen, Farben, Lichtspiele, die mir sonst entgehen würden. Fotografieren ist Meditation, ich vergesse alles um mich herum. Raum und Zeit lösen sich auf, sind für einen Moment nicht mehr existent. Ich bin ganz bei mir, beim Objekt und dem Fotografieren an sich.

Besonders intensiv erlebe ich diese Momente in den klaren, mondlosen Nächten, wenn ich mit der Kamera die Sterne fotografiere. Schon längst erloschen strahlt ihr Licht weiter. Dann fühle ich mich ganz winzig, fast unbedeutend, angesichts der Größe des Weltalls, und gleichzeitig werde ich aufgefüllt mit Dankbarkeit für die Schönheit und Einzigartigkeit der Erde.

Zwischen Bergen und Wasser

Auf meinen Reisen besuche ich immer wieder die Berge und das Wasser. Die Berge haben etwas Erhabenes, Majestätisches, Unerschütterliches für mich. Sie sind einfach da, trotzen jedem tobenden Sturm, zeigen sich unbeeindruckt. Da ist für einen kurzen Moment diese besondere Stille, ganz oben auf dem Berg. Eine Stille, die größer ist als ich und mich trotzdem ganz sanft trägt.

Beim Wasser ist es der Klang, der mich berührt. Das Tosen eines Wasserfalls, das alle Gedanken übertönt. Das Plätschern eines Flusses, der einfach seinen Weg findet. Die Lautlosigkeit eines Sees, in dem sich die Berge spiegeln. Höhe und Tiefe. Klang und Stille. Genau diese Kontraste zeigen mir, wie vielfältig Kraft sein kann.

Jede Reise zeigt mir dabei etwas Neues. Kein Berg gleicht dem anderen, kein Wasser klingt wie das vorherige. Selbst vertraute Orte überraschen mich immer wieder, wenn ich mit offenen Augen hinschaue.

Aber eine Reise wird nicht von selbst zum Kraftort. Dafür braucht es etwas mehr als nur Anwesenheit. Ich muss das Tempo herausnehmen, an einem Ort wirklich ankommen, statt nur weiterzuziehen. Ich muss hinhören, hinriechen, die Luft auf der Haut spüren, mich hingeben. Und ich brauche Offenheit für das, was ich nicht erwartet habe. Erst dann wird aus einem Ort eine Kraftquelle, die mich noch lange begleitet, auch wenn ich längst wieder zu Hause bin.

Was mir bleibt

Ein Aufenthalt in der Natur hat eine Wirkung auf mich, auf dich, auf uns alle. Diese Wirkung ist kein Zufall. Zeit in der Natur senkt Stresshormone, beruhigt das Nervensystem, stärkt das Immunsystem. Für mich persönlich ist es trotzdem mehr als Wissenschaft. Es ist dieses tiefe Gefühl von Verbundenheit, Dankbarkeit und Liebe, sobald ich draußen bin.

Meine Beziehung zur Natur hat sich über die Jahre verändert, intensiviert. Früher war sie Kulisse oder Mittel zum Zweck. Heute ist sie Gesprächspartnerin, Lehrmeisterin, Kraftquelle. In der Natur darf ich einfach sein, wie ich bin. Ohne Erwartung, ohne Maske, ohne Leistung. Manchmal reicht schon ein einziger achtsamer Atemzug zwischen meinen Pflanzen, unter einem Baum, auf einem Gipfel, an einem Ufer. Und ich finde mich wieder.

Und jetzt bist du dran. Welche Kraft schöpfst du aus der Natur? Wo findest du sie?

Liebe Grüße, Birgit

3 Kommentare
  • Birgit
    Posted at 08:27h, 13 Juli Antworten

    Liebe Birgit,
    was für ein wundervoller Artikel! Ich kann bei jedem Satz deine Verbundenheit mit der Natur spüren und musste beim Lesen ständig nicken und lächeln. Einfach herrlich. Die Bilder sind so wunderschön, dass sie alleine schon so viel sagen – und dazu noch dein Text. Auch ich schöpfe sehr viel Kraft aus der Natur, vor allem aus der Natur in den Bergen. Hier fühle ich mich angekommen, getragen (wie du ja auch schreibst). Sie lassen den Alltag „verschwinden“ und mich ganz tief eintauchen – in die Natur und in mich selbst und schenken mir Ruhe und Kraft.

    • Birgit Buchmayer
      Posted at 11:41h, 13 Juli Antworten

      Herzlichen Dank liebe Birgit,
      Wie schön zu lesen, dass die Berge dir auch so gut tun.
      Liebe Grüße, Birgit

  • Pingback:Birgit Buchmayer | Zuversicht: Was tue ich, wenn die Welt ins Wanken gerät?
    Posted at 21:51h, 12 Juli Antworten

    […] den Wald vor meiner Tür, meine Kraftorte. Ich habe darüber schon einmal ausführlich geschrieben (Kraftquelle Natur – meine ganz eigene Geschichte). Sobald ich in meinem Garten stehe oder durch den nahegelegenen Wald gehe, lösen sich meine […]

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