22 Apr. Gedanken zum Earth Day.
Der Tag der Erde – Earth Day – ist jedes Jahr am 22. April. Also heute. Der erste Earth Day fand 1970 statt und wurde von John McConnell bei einer UNESCO-Konferenz in San Francisco vorgeschlagen. Der Tag sollte dazu dienen, weltweit an Frieden, Gerechtigkeit und einem sorgsamen Umgang mit der Erde zu arbeiten.
Heute ist Earth Day – der Tag, an dem die Welt kollektiv innehalten könnte und fragt: „Wie geht es dir eigentlich, Erde?“ Die ehrliche Antwort kennen wir alle. Und sie ist nicht schön. Jeden Tag Nachrichten von der Grausamkeit der Kriege, sich rasant verändernden Klimabedingungen, Bilder von schmelzenden Gletschern, brennenden Wäldern oder ausgetrockneten Flüssen und vieles mehr. Dazu kommt ein immer größer werdendes Gefühl der Ungerechtigkeit und der Ohnmacht: Wenige Menschen haben gefühlt alles und die meisten eher weniger oder auch fast nichts. Was soll ich da schon ausrichten? Ich bin nur eine Person. Mit zwei Händen.
Und trotzdem bin ich fest davon überzeugt: Es fängt genau hier an.
Klein denken, groß wirken
Ich bin Apothekerin. An einem einzigen Berufstag produzieren wir jede Menge Müll: Blister, Tüten, Beipackzettel – eine Lawine aus Papier und Plastik. Nicht nur wir in der Apotheke, sondern auch unsere Kundinnen und Kunden. Inzwischen haben wir einiges geändert:
- Einen Kassenbon drucken wir nur noch auf Verlangen aus. Die Kunden könnten sich auch einen QR-Code des Einkaufs abfotografieren, davon wird allerdings so gut wie kein Gebrauch gemacht.
- Auf Tüten wird meist verzichtet. Ich denke, dass jeder eine Tasche mit dabei haben kann, und eine einzelne Packung Tabletten passt auch in die Jackentasche.
- Wir haben die Anzahl an Zeitungen drastisch reduziert. Das spart viel Geld. Eine Umschau mit Fernsehprogramm kostet uns Apotheken 1,80€ pro Stück und wird nach Gebrauch auch weggeworfen.
- Auch mit Zugaben, den so genannten Pröbchen, sind wir inzwischen sehr zurückhaltend. Das ist viel Verpackung mit kaum Inhalt und wird meistens weder benutzt noch ausprobiert.
Unser Motto: „Wir können nicht alles ändern. Aber wir können aufhören, so zu tun, als würde nichts von dem, was wir tun, zählen.”
Was ich selber tue – und was ich mir vornehme
Ich mache keine großen Versprechen mehr. Keine Bucket List für die Erde. Aber ich habe ein paar Dinge, die ich bewusst lebe, manche seit Jahren, manche sind noch zart und neu:
- Ich kaufe weniger und bewusster, nicht immer perfekt. Manchmal kaufe ich trotzdem etwas, das ich nicht brauche. Aber der Impuls hat sich verändert. Die erste Frage, die ich mir stelle, ist nicht mehr „Gefällt mir das?”, sondern „Brauche ich das wirklich?”
- Ich gehe öfter zu Fuß oder fahre mit dem Rad. Die Welt vor meiner Haustüre ist reich, bunt und voller Abenteuer.
- Ich esse anders. Mehr Gemüse und weniger Fleisch. Nicht aus Dogma, sondern weil mein Körper – und offensichtlich auch der Planet – sich dabei besser fühlt.
- Ich unterstütze das, was mir wichtig ist. Eine kleine Schule in Ladakh, vier Patenkinder in buddhistischen Klöstern. Das sind keine großen Gesten, sie sind echt und kommen von Herzen.
- Ich rede darüber. In der Apotheke, mit Freunden, hier im Blog. Ich bin mir gewiss, Achtsamkeit und Bewusstsein sind ansteckend.
Was du heute tun kannst – auch wenn du nur zehn Minuten hast
Ich schreibe dir keine Liste mit zwanzig Punkten. Ich schreibe dir drei.
Raus. Geh heute kurz nach draußen. Nicht um Sport zu machen oder etwas zu erledigen, nur um da zu sein. Barfuß, wenn es die Temperaturen erlauben. Und spür mal, wem oder was du da eigentlich gerade begegnest.
Weniger. Such dir heute eine Sache, auf die du verzichten kannst – einmal, und dann vielleicht noch einmal. Ein Einwegbecher. Eine Fahrt, die du auch zu Fuß schaffst. Eine Bestellung, die warten kann.
Dankbar sein. Wer Dankbarkeit übt – gegenüber Menschen, dem Leben und auch gegenüber unserer einzigartigen Erde – der handelt anders, ganz automatisch.
Zum Schluss: Keine Ohnmacht, bitte.
Ich kenne das Gefühl der Ohnmacht gut, wenn sich Verzweiflung und Angst in meinem Körper und meinen Gedanken ausbreiten. Wenn mir all die schrecklichen Nachrichten zu viel sind und das Nervensystem Alarm schlägt. Ich habe gelernt, den Fokus zu verschieben – weg von dem, was ich nicht ändern kann, hin zu dem, was in meiner Reichweite liegt.
Die Erde braucht keine Helden. Sie braucht Millionen von Menschen, die jeden Tag ein kleines bisschen bewusster leben.
Ich bin dabei. Du auch?
Liebe Grüße, Birgit
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